Humane Bildung braucht analoges Lernen

Abgeschlossen: Petition für bildschirmfreie Kindergärten und Grundschulen

95.852* Menschen unterstützen europaweit mit ihrer Unterschrift, was das „Bündnis für humane Bildung“ seit Jahren fordert: den Erhalt der Wahlmöglichkeit für bildschirmfreie Kindergärten und Grundschulen. LehrerInnen und ErzieherInnen sollen selbst entscheiden, ob und für was sie digitale Medien als Hilfsmittel einsetzen.

„Das gilt besonders für die ersten zwölf Lebensjahre, in denen die sensomotorische Entwicklung und die fundamentalen sozialen und emotionalen Reifungsschritte erfolgen“, erklären Prof. Ralf Lankau vom Bündnis und die Kinderärztin Dr. med. Michaela Glöckler, Präsidentin der „Europäischen Allianz von Initiativen angewandter An-throposophie“ (ELIANT). Beide Organisationen zeichnen für diese Petition verantwortlich.

Der Hintergrund: Die EU-Kommission hat einen „Aktionsplan für digitale Bildung 2021-27“ beschlossen. Im Mittelpunkt steht die „Förderung eines leistungsstarken digitalen Bildungsökosystems“ und „die Stärkung der digitalen Kompetenzen der Bevölkerung im digitalen Zeitalter“. Lankau und Glöckler fordern in diesem Kontext: „Wir müssen angesichts dieser digitalen Orientierung auch dem menschlichen und realweltlichen Bildungsbedarf der Kinder gerecht werden.“ Dazu wenden sich das Bündnis und ELIANT mit eigenen Vorschlägen an die EU-Parlamentarier, die gerade am „Aktionsplan für digitale Bildung 2021-27“ arbeiten. Bündnis und ELIANT halten es für selbstverständlich, dass Schule digitale Kompetenzen vermittelt. „Aber alles zu seiner Zeit“, wie Lankau betont. Kinder hätten ein Recht auf Entwicklungszeit, um mit allen Sinnen, durch Bewegung und kreatives Spiel ihre realweltliche Umwelt zu erobern. Daher müssen Kindergärten und Grundschulen die Möglichkeit haben, bildschirmfrei zu bleiben.

Es sollte nicht zu digitalen Einseitigkeiten kommen: „Erst das Zusammenspiel aus sensorischen und motorischen Realerfahrungen“, so Dr. Glöckler, „führt dazu, dass sich Kinder gesund in Raum und Zeit verankern.“ So werde eine altersgemäße, körperliche und geistige Entwicklung möglich. Geau dieses Recht auf Entwicklungszeit fordert die Petition. „Über 95.000 Unterzeichner sind ein starkes Plädoyer für diese wichtige Forderung“, so Prof. Lankau.

Link zum Hintergrund der Petition

„Bündnis für humane Bildung“:

Hochschullehrer, Wissenschaftler und engagierte Bürger gründeten 2017 das „Bündnis für humane Bildung“. Ihre Überzeugung lautet: Bildung lässt sich nichtdigitalisieren! Digitale Instrumente können Bildungsprozesse nur unterstützen. Alternativen sind gefragt. Website: http://www.aufwach-s-en.de

Allianz ELIANT: 2006 gründeten zehn europaweit tätige Dachorganisationen die „Europäischen Allianz von Initiativen angewandter Anthroposophie“ (ELIANT). Die Allianz setzsich auf verschiedenen Lebensgebieten und Arbeitsfeldern für mehr Lebensqualität und kulturelle Vielfalt in Europa ein. Website: https://eliant.eu/home

Pressekontakt: Ingo Leipner / Mob. 0162/8192023 / i_leipner@aufwach-s-en.de

*Durch nachgemeldete Unterschriften ist deren Zahl am 21.01.2021 auf 96.294 gestiegen.

Digitalpakt Schule ist Sackgasse

Das Bündnis für humane Bildung kritisiert zum Schuljahresanfang, dass die Schulen jetzt Gelder für die digitale Ausstattung der Schulen beantragen können, während Gelder für mehr Lehrer, Schulsanierung oder Arbeitsgemeinschaften nicht zur Verfügung stehen. Das sei eine Verschwendung von Steuergeldern für die Kassen der IT-Industrie. Hunderte Lehrer fehlen. Ist das vielleicht gewollt und sollen in Zukunft beim autonomen Lernen Computer die Lehrer ersetzen? Immerhin gibt es in den USA schon Schulen, in denen Lerncoaches statt Lehrer 150 Schüler beim PC-Lernen überwachen. Weiterlesen „Digitalpakt Schule ist Sackgasse“