Geld für Theater und Musik

Keine Verschwendung öffentlicher Mittel in Schulen

Der am Freitag beschlossene Digitalpakt der Bundesregierung sieht vor, fünf Milliarden Euro ausschließlich in die Digitalisierung der Schulen zu stecken: Hardware, IT-Dienstleistungen so wie Fortbildungen zu digitalen Medien, Tablets und Apps. Diese Politik hält das „Bündnis für humane Bildung“ für falsch: „Wirfordern mehr Geld für Bildung“, so Prof. Ralf Lankau, „aber die Schulen müssen selbst vor Ort entscheiden, wie sie finanzielle Mittel einsetzen, statt sich Direktiven aus Berlin unterzuordnen.“ Mit der Änderung des Grundgesetzes (Aufhebung des Kooperationsverbots) verfolge die Bundesregierung das Ziel, zentral über die Investition der fünf Milliarden Euro in IT-Systeme zu bestimmen. Das bedeute konkret eine kritiklose Digitalisierung von Unterrichts- und Lernprozessen.

Das Bündnis verweist auf Artikel 106, Absatz III im Grundgesetz: Er sieht vor, dass sich Gemeinschaftssteuern neu aufteilen lassen. Dadurch können auch Schulen Gelder in Milliardenhöhe zufließen, ohne das Grundgesetz zu ändern. Dieser Weg wurde schon gewählt, damit der Bund die Kommunen bei der Versorgung von Flüchtlingen unterstützen konnte. Prof. Lankau: „Das hat für den Bund nur einen Haken: Artikel 106 lässt nicht zu, dass die Bundesregierung Einfluss auf die Verwendung der Mittel nimmt.“

So ließe sich die Bundes-Strategie zur Digitalisierung nicht umsetzen, „weil Kommunen und Schulen vor Ort entscheiden, wozu sie die Gelder einsetzen.“ Das Vorgehen der Regierung Merkel beruhe dagegen „auf dem Glauben an die (Ver-)messbarkeit und Steuerbarkeit von Bildungsprozessen“, so Prof. Lankau. Das sei in der produzierenden Industrie üblich, wo die Regeln und Methoden des Qualitätsmanagements gelten (Effizienz, Prozessoptimierung, Kostenreduktion).

Übertragen auf Schulen wäre das Ziel, „standardisierte und automatisiert prüfbare Produktion von Lernleistungen“ einzuführen. „Das hat nichts mit Bildung zu tun, sondern ist im Kern kleinteilige Lernkontrolle, ‚teaching to the test‘ und letztlich Bulimie-Lernen“, sagt Prof. Lankau. „Gerade in einer zunehmend virtualisierten Welt brauchen wir stattdessen digitalfreie Zonen in Kindergärten und Grundschulen, um Kinder in ihren realweltlichen Erfahrungen zu stärken.“

Real vor digital: Nur auf diese Weise sei z. B. eine gesunde Gehirnentwicklung möglich, wie es in vielen Lehrbüchern der Neurobiologie nachzulesen ist. Zu diesem Thema hat das Bündnis mit dem anthroposophischen Netzwerk ELIANT eine europaweite Petition gestartet (Web: http://www.aufwach-s-en.de/2018/03/petition-eliant-und-buendnis-fuer-humane-bildung/)

Vor diesem Hintergrund setzt sich das „Bündnis für humane Bildung“ dafür ein, den Schulen vor Ort die Entscheidung zu lassen, für was sie die finanziellen Mittel des Pakts einsetzen. Sie könnten zumindest mit einem Teil der fünf Milliarden Euro Musik-, Sport- oder Theaterprojekte finanzieren.

„Außerdem ist es dringend notwendig, die Begleitforschung vom Kopf auf die Füße zu stellen“, fordert Prof. Lankau. Wer in schnelles Internet, Tablets und WLAN investiert, sollte belegen, dass diese Techniken im Unterricht hilfreich sind. Dazu sind Vergleichsstudien zu entwickeln, die analoge und digitale Szenarien gegeneinander testen. Erst so ließe sich zeigen, ob der Einsatz digitaler Medientechnik tatsächlich bessere Lernleistungen möglich macht, als es bei klassischen pädagogischen Konzepten der Fall ist. Diesen Beweis seien die Befürworter digitaler Bildung seit mehr als 40 Jahren schuldig geblieben – und das seit dem Einsatz erster PCs im Unterricht.


„Bündnis für humane Bildung“:

Hochschullehrer, Wissenschaftler und engagierte Bürger gründeten 2017 das „Bündnis für humane Bildung“. Ihre Überzeugung lautet: Bildung lässt sich nicht digitalisieren! Digitale Instrumente können Bildungsprozesse nur unterstützen. Alternativen sind gefragt.

Website: http://www.aufwach-s-en.de

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